Wednesday, 31 January 2007

*vida Va*

08.05.2006: Schweben auf Zuckerwattewolken
Manchmal ist das Leben ganz leicht und wunderschön. Ich schaue mir selbst zu und kann es gar nicht glauben. Jede einzelne Sekunde ist wertvoll, einfach unbezahlbar, ja zu hundert Prozent genutzt. Das passiert ganz plötzlich, wenn ich nicht im Geringsten damit rechne. Als ob das eine Grundbedingung sei. Je weniger ich etwas erwarte, umso mehr kommt es auf mich zu. Und umso mehr versüßt es mein Leben. Ich durfte die letzten Tage in einem Zuckermeer schwimmen. Nun klebe ich ein bisschen, aber ich wasche das nicht ab. Stattdessen werde ich die nächsten Stunden, Tage, Wochen von meiner Glasur zehren und einfach weiter glücklich sein.

23.05.2006: zucchero finito

Meine Glasur ist aufgebraucht, ich schwimme wieder in einem Meer voller Zweifel und lass mich von den Wellen in eine Richtung treiben, in die ich nicht möchte. Ich versuche gegen die Strömung anzukämpfen, doch meine Arme sind schwach und schmerzen

09.06.2006: zucchero recuperato
Ich war stark, habe gekämpft und meinen Willen über die Muskelkraft gestellt. Ich bin weiter geschwommen, gegen die Strömung, und bin fast an meinem Ziel angekommen. Im Moment sitze ich an schönem Strand auf einer netten Insel mitten im blauen Meer. Es ist nur eine Ruhepause, der Kampf wird weitergehen, doch ich wälze mich in dem zuckerweißen Sand und hole mir meine Glasur, von der ich zehre, zurück.

17.11.2006: azúcar contra sal
Die Glasur hielt lange und hält noch, aber weist große Löcher auf. Ich versuche diese zu ignorieren und widme mich den intakten Stellen, den süßen Seiten des Lebens. Das funktioniert gut und so kommt es, dass ich nicht gegen irgendeinen Strom schwimme. Ich (er)lebe ohne (dafür) zu kämpfen und das ist gut so. Irgendwann werden mich die tosenden Wellen einholen, das weiß ich. Dann wird das Strampeln von vorn beginnen. Und das Wasser wird die letzten Zuckerreste abspülen. Doch das Meer ist salzig und Salz ist auch weiß. Vielleicht tausche ich meine Zuckerglasur gegen eine Salzkruste ein. Krusten versprechen mehr Halt. Und wenn nicht…wenn nicht…dann lass ich mich eben wieder Richtung Südseeinsel treiben.


31.01.2007: dulce vida
Das mit dem Salz war mir letztendlich zu riskant, denn wer streut schon gern Salz in seine Wunden. Vielleicht könnte man auf diese Art alles ausbrennen, doch bisher war der Leidensdruck nicht groß genug um solche Experimente einzugehen. Stattdessen fand ich einen Zuckerersatz, der perfekt auf die Löcher passte. Irgend so einen Süßstoff, doch wie der Name schon sagt…es handelt sich um Ersatz, dass kann auf Dauer keine Lösung sein. So griff ich schnell wieder nach dem wahren Zucker; für eine gewisse Zeit ernährte ich mich von beidem, aber das bekam mir nicht gut. Ich entschied mich also für die wahre Süße des Lebens. Für ihren Erhalt muss ich manchmal kämpfen, oft geht es gegen die Strömung...aber ist es nicht genau das, was das Leben ausmacht? Ein ruhiges Meer ist auf Dauer langweilig.
Ich habe meinen Weg gewählt, mit allen Konsequenzen.
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