Zurecht. 5min Cousin hätten's auch getan. Besonders, wenn man "zu seinem kranken Vater gerufen" wird. Das klingt für mich nicht, als könnte/sollte man sich da sehr viel Zeit lassen. Auch hier zählt: Manchmal muss man Prioritäten setzen. Jemand hat da offensichtlich die Falschen gesetzt.
die_ginny - June 11, 12:58
Herr Neon, bei allem Respekt: Das ist ein recht hartes, vorschnelles Urteil. Und selbst, wenn ein "selber schuld" irgendwie berechtigt wäre, änderte das nichts an der Tragik der Situation. Der arme Kerl muss damit jetzt leben und da ich aus Calis Beitrag lese, dass ihm das nicht unbedingt leicht fällt, weiß er vielleicht durchaus Prioritäten zu setzen.
Frau Ginny - ich verstehe Ihren Einwand. Und ich möchte anmerken, dass ich Mitgefühl für den Sohn habe, der sich nicht von seinem Vater verabschieden konnte, zumal er das ganz sicher sein restliches Leben mit sich tragen wird eben WEIL er die Möglichkeit hatte, das zu tun. Das ist die Gefühlsebene.
Die sachliche Ebene zu bewerten, ist etwas anderes. Eine Dummheit bleibt eine Dummheit, auch wenn sie einem danach Leid tut. Ein Versäumnis bleibt ein Versäumnis, auch wenn man es anschließend bedauert. Könnten Sie sich vorstellen, 45 Minuten mit jemandem zu plauschen, wissend, dass ein paar Zimmer weiter ihr Vater mit dem Leben ringt? Ich kann das nicht. Ich gehe da mit Herrn Pathologen einig: Jeder ist für seine Handlungen verantwortlich und muss dann auch mit den Konsequenzen leben.
die_ginny - June 11, 15:49
"Könnten Sie sich vorstellen, 45 Minuten mit jemandem zu plauschen, wissend, dass ein paar Zimmer weiter ihr Vater mit dem Leben ringt?"
Nein. Aber das "wissend" ist eben der Aspekt, den Sie unterstellen. Im Beitrag steht weder, woran der Vater verstarb, noch aus welchem Grund sein Sohn gerufen wurde. Vielleicht brauchte er frische Wäsche nach einer Blinddarm-OP und dummerweise platzte zufällig danach eine Ader im Hirn. Vielleicht lag er wirklich im Sterben und sein Sohn hat die Prioritäten verwirrt behandelt. Aber das sind Vermutungen, auf deren Basis man meiner Meinung nach mit Urteilen vorsichtig umgehen sollte; gerade, wenn es nicht eigentlich um ein Urteil geht, sondern um eine besonders traurige Situation.
Sie haben prinzipiell Recht. Jeder, der nicht selbst dabei war und Caliente's Zeilen liest, interpretiert. Wie womöglich jeder passive Leser basiere ich meine Interpretationen auf Wahrscheinlichkeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es für eine ernstere Situation spricht, wenn
a. ein Sohn zu seinem im Krankenhaus liegenden Vater gerufen wird, der
b. kurz danach verstirbt
ist aus meiner Sicht wesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass es um "schmutzige Wäsche" ging.
Vielleicht kommen Sie zu anderen Wahrscheinlichkeiten oder lehnen es ab, mit Wahrscheinlichkeiten zu hantieren, solange Sie es nicht mit Bestimmtheit tun können. Auch das ist OK. Es ist eben eine andere Vorgehensweise und aus meiner Sicht schaut das Leben nicht immer abwartend zu, bis man alles mit Gewissheit weiß. Kann auch eine berufliche Konditionierung sein, wo man täglich Entscheidungen unter Unsicherheit treffen muss.
die_ginny - June 11, 17:31
Ich stimme Ihnen zu, dass Ihre Interpretation wahrscheinlicher ist als die mit der Wäsche. Noch wahrscheinlicher wäre, dass der Vater mit irgendeiner akuten Erkrankung eingeliefert und der Sohn darüber informiert wurde, ohne den Ernst zu ahnen. Vielleicht widerstrebt es mir einfach, irgendjemandem zu unterstellen, dass er sich locker und lange mit Bekannten unterhält, wissend, dass eine nahestehende Person währenddessen im Sterben liegt. Im Zweifel für den Angeklagten, der ja hier auch weder Motiv noch Vorteil zu haben scheint, sondern im Gegenteil unter dem Ergebnis vermutlich leidet. Und deswegen glaube ich lieber nicht, dass er es wusste.
Leider machen Menschen viele unverständliche Dinge (aka Dummheiten) völlig ohne Motiv oder irgendeinen gedachten Vorteil. Aber ich schließe mich Ihrem Wunsch gerne an, dass der Mann nur ein tragisches Opfer seines Nichtwissens und Nichtahnens und Nichtängstigens war.
Die sachliche Ebene zu bewerten, ist etwas anderes. Eine Dummheit bleibt eine Dummheit, auch wenn sie einem danach Leid tut. Ein Versäumnis bleibt ein Versäumnis, auch wenn man es anschließend bedauert. Könnten Sie sich vorstellen, 45 Minuten mit jemandem zu plauschen, wissend, dass ein paar Zimmer weiter ihr Vater mit dem Leben ringt? Ich kann das nicht. Ich gehe da mit Herrn Pathologen einig: Jeder ist für seine Handlungen verantwortlich und muss dann auch mit den Konsequenzen leben.
Nein. Aber das "wissend" ist eben der Aspekt, den Sie unterstellen. Im Beitrag steht weder, woran der Vater verstarb, noch aus welchem Grund sein Sohn gerufen wurde. Vielleicht brauchte er frische Wäsche nach einer Blinddarm-OP und dummerweise platzte zufällig danach eine Ader im Hirn. Vielleicht lag er wirklich im Sterben und sein Sohn hat die Prioritäten verwirrt behandelt. Aber das sind Vermutungen, auf deren Basis man meiner Meinung nach mit Urteilen vorsichtig umgehen sollte; gerade, wenn es nicht eigentlich um ein Urteil geht, sondern um eine besonders traurige Situation.
a. ein Sohn zu seinem im Krankenhaus liegenden Vater gerufen wird, der
b. kurz danach verstirbt
ist aus meiner Sicht wesentlich höher als die Wahrscheinlichkeit, dass es um "schmutzige Wäsche" ging.
Vielleicht kommen Sie zu anderen Wahrscheinlichkeiten oder lehnen es ab, mit Wahrscheinlichkeiten zu hantieren, solange Sie es nicht mit Bestimmtheit tun können. Auch das ist OK. Es ist eben eine andere Vorgehensweise und aus meiner Sicht schaut das Leben nicht immer abwartend zu, bis man alles mit Gewissheit weiß. Kann auch eine berufliche Konditionierung sein, wo man täglich Entscheidungen unter Unsicherheit treffen muss.