*Graffiti & Tattoos*

Neulich war ein Freund zu Besuch. Er hatte Berlin schon einmal vor ein paar Jahren zur Love Parade gesehen, aber nur oberflächlich. Diesmal blieb er für länger und ich zeigte ihm meine Stadt. Er hat sich quasi in sie verliebt…die Atmosphäre, die verschiedenen Kieze, die Vielfalt. Doch er wunderte sich warum alle Wände beschmiert seien. Mir fällt das ehrlich gesagt gar nicht mehr auf. Doch er meinte, es sei schlimmer als in anderen Städten. Überall Graffiti. Dabei ist mir bewusst geworden, dass genau das als typisch berlinerisch gilt. Wie kann das sein? Alternativ ja! Aber beschmiert? Ich deute das in der Hinsicht, dass meine Stadt immer noch auf der Suche nach ihrer Identität ist. Von der Geschichte zerteilt und wieder vereint gilt es nun unterschiedliche Völker und Lebensweisen zusammenzubringen. Nach 17 Jahren ist dies noch nicht gelungen. Und so wie die Stadt ihre Identität sucht, so zieht es genau die Menschen hierher, die auf der Suche nach ihrem Ich sind. Das macht Berlin so interessant. Jeder Mensch ist anders, repräsentiert ein Extrem und ist verdammt frei. Freier als sonst irgendwo. Als Antifashion-City interessiert hier niemanden wie Du rumläufst. In meinem Bezirk gibt es zum Beispiel außergewöhnlich viele Menschen ohne Schuhe oder mit Tattoos. Sicherlich ist diese Art von Körperschmuck nichts Neues, aber mein Besuch konnte nur den Kopf darüber schütteln, dass die schönsten Mädchen die größten Tattoos besitzen. Auffallen wollen um jeden Preis? Suche nach Anerkennung? Herausstechen aus der Masse? Fehlende Aufmerksamkeit in der Stadt, in der nichts schockieren kann? Sind die Tattoos der Menschen Symbole für die Graffitti der Stadt? Oder umgekehrt?
caliente_in_berlin - June 3, 16:44